{"id":534,"date":"2025-03-21T16:16:43","date_gmt":"2025-03-21T15:16:43","guid":{"rendered":"https:\/\/testumgebung.lieblinge.org\/?post_type=kollektiv&#038;p=534"},"modified":"2025-04-18T13:06:07","modified_gmt":"2025-04-18T11:06:07","slug":"die-raeuber","status":"publish","type":"kollektiv","link":"https:\/\/testumgebung.lieblinge.org\/en\/kollektiv\/die-raeuber\/","title":{"rendered":"DIE R\u00c4UBER"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Kein Eintritt, Keine Polizei&#8220; &#8211; Die R\u00e4uber sind ein Kollektiv aus Bremen und Berlin, das seit 2009 Jahren ungenutzte R\u00e4ume in der Stadt tempor\u00e4r erobert. Mit ihren Aktionen wollen sie die Verbindung von Party, Politik und Kunst schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"interview\">INTERVIEW<\/p>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Die R\u00e4uber (2013)<\/summary>\n<p><br>Aufgezeichnet um 19:43 an einem Mittwoch, 2013. Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die R\u00e4uber &#8211; Umherschweifende Haschrebellen oder Theaterst\u00fcck?\u2028<br>Interview zum Thema: Projekt R\u00e4uber.<\/strong><br>&nbsp;<br>RYC verabredete sich zwischen L\u00e4b, H\u00f6hle und Hauptquartier zum Interview. Die verabredeten Zeichen wiesen uns den Weg zu einem geheimen Ort. Die anwesenden R\u00e4uber hatten zum Zeitpunkt des Interviews folgende Sachen in ihren Taschen: eine Packung geklaute Kabelbinder, einen 3D-gedruckten Feuerl\u00f6scheraufsatz und einen Haufen M\u00fcnzen, der noch gez\u00e4hlt werden musste.<br>Wir tranken abwechselnd schwarzes und rotes Selbstgepanschtes und sprachen \u00fcber Gott, die Polizei und r\u00e4uberliche Perspektiven auf die Welt.<br>\u2028<br><strong>Hallo R\u00e4uber. Seit einigen Jahren seid ihr f\u00fcr aufw\u00e4ndig inszenierte illegale Parties nicht nur in Berlin und Bremen bekannt. Wie habt ihr Euch zusammengefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Es gibt viele verschiedene Versionen wie es angefangen hat. Dass es da unterschiedliche Versionen gibt ist auf jeden Fall charakteristisch f\u00fcr unsere Gruppe. F\u00fcr mich war der Start ein eher zuf\u00e4lliges Zusammentreffen zwischen Berlin und Bremen. Ganz am Anfang war da einfach die Idee eine Party zu veranstalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: Zur ersten Party: Planlos nach Bremen gefahren; rumgehangen\u2026 durch gemacht\u2026 Drogen genommen\u2026 Tauscharbeit verrichtet\u2026 Hassi getragen\u2026 mich geschl\u00e4gert\u2026 Geld gez\u00e4hlt\u2026 Spa\u00df gehabt!<\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard: Die R\u00e4uberparty gabs quasi vor den R\u00e4ubern, die machte uns zu den R\u00e4ubern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schon den ersten Rave habt Ihr in einer leerstehenden Lagerhalle in Bremen veranstaltet. Warum habt Ihr Euch f\u00fcr einen Ort wie diesen entschieden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Stadtpolitik war f\u00fcr mich ein gro\u00dfes Thema und ist es auch noch. Durch die Besch\u00e4ftigung mit Stadtpolitik bekam ich ersten Kontakt zu verschiedenen Aktionsformen. Es gab da irgendwann eine Reclaim The Streets Veranstaltung mit einer Critical Mass (~ kritische Masse, bezeichnet die Zahl ab der eine Fahrraddemonstration den Stra\u00dfenverkehr sperren kann) Der Aktionsabschluss war eine illegale Party in einer Fabrikhalle. Diese befand sich auf dem Gel\u00e4nde der umgedrehten Kommode, auf der Weserinsel in Bremen. Mittlerweile ist das alles abgerissen und das Gel\u00e4nde ist mit Townhouse Villen bebaut, das gibt es ja \u00fcberall auf der Welt und sieht auch \u00fcberall eigentlich gleich aus. So jedenfalls kamen wir zu dem Gel\u00e4nde als Veranstaltungsort f\u00fcr die erste Party.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: Also ich kam nach Bremen, weil mir ein Freund gesagt hat, dass ein Freund von ihm, der jetzt dort studieren w\u00fcrde ne schei\u00dfegal Veranstaltung macht\u2026 h\u00f6rte sich interessant an\u2026 also hin da.<\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard: D. hat mich gefragt, hast du Bock mit mir ne Party zu machen? Ich war sofort dabei, hatte schon immer ein Faible f\u00fcr verlassene, leerstehende R\u00e4ume. R\u00e4ume die durch offensichtliche Vernachl\u00e4ssigung nur noch sich selbst geh\u00f6ren. Das gab mir schon fr\u00fcher das Gef\u00fchl in eine andere Welt abzutauchen\u2026 Wir ham uns dann mit nen paar Leuten getroffen\u2026 irgendwann kam ne Horde Berliner dazu und pl\u00f6tzlich war dieser Raum ein M\u00f6glichkeitsraum. Voll mit Menschen wurde das dann etwas Verwirklichtes.<\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Schon unsere erste Party war eine illegale, also keinen Mietvertrag, keine Ausschankgenehmigung. Durch gute Wahl des Ortes gab es keine Anwohnerbeschwerden und so konnten wir einfach eine Party feiern. An einem Ort der auf dem Papier jmd. geh\u00f6rt, aber der in Wirklichkeit vor sich hinmodert.<\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard: Bei der Veranstaltung haben wir auch Eintritt genommen, was f\u00fcr einige Verstimmung gesorgt hat. Es gab da ne Bafoeg-R\u00fcckzahlung und es wurde nen bisschen privat Kohle zusammengeschmissen &#8211; davon wurden zwei Boxen, ein Generator und Getr\u00e4nke geholt. Die Boxen und den Generator wollten wir refinanzieren, bzw. gucken ob das m\u00f6glich ist. Wir hatten damals schon dar\u00fcber gesprochen, dass es, wenns gut geht weiter laufen soll. Der Plan war, dass wir immer einfach alles stehen lassen k\u00f6nnen wenn die Bullen kommen. Also ne Anlage von einer Party finanziert der wir nicht nachtrauern m\u00fcssen wenn wir sie verlieren\u2026 Denn, wir m\u00fcssten einfach nur die n\u00e4chste Party machen\u2026<br>\u2028Damals hat \u00fcbrigens AlleFarben bei uns gespielt &#8211; mit nem MP3 Player. Der war damals noch nicht so bekannt und f\u00fcr uns einfach einer von den Kreuzbergern, der halt auflegen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und wie ging es dann weiter?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: Wieder mit Party. Die Zweite glaube ich, war direkt in Berlin\u2026 Bei der machte ich die Orga \u2026 Resultat: Die R\u00e4uber vom Schwarzenkanal. Interessant: keine Bulln\u2026 500 &#8211; 700 leute\u2026 Staub in der Lunge\u2026 besoffen rauchen beim Generator bef\u00fcllen\u2026 fette Party\u2026 Malerei: tonyG!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kommt Ihr aus der Club-Szene, bzw. hattet ihr schon Vor-Erfahrung mit solchen Veranstaltungen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Amalia: Wir haben das am Anfang komplett selbst und aus dem Raum gegriffen gemacht. Wir waren in keine bestehenden Strukturen eingebunden. Haben uns zwar erkundigt worauf man aufpassen sollte und was auf so einen Hinweiszettel drauf soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber sonst haben wir das frei von allen Anderen gemacht, auf den Tisch gehauen und einfach gemacht. Doch schon einige Monate nach der ersten Party haben wir relativ schnell Anschluss an Bremer Strukturen gefunden. Was dann auch gut und wichtig war. Dadurch konnten wir mit Menschen sprechen die sowas schon l\u00e4nger machen. Aus unserer ersten Party und den Erfahrungen Anderer haben wir viel gelernt, es wurde nur noch mit Plattentellern aufgelegt. Eintritt gab es auch keinen mehr und Feuerl\u00f6scher wurden nur im Freien gez\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Flyer von Euren Partys waren immer recht markant und erinnerten anf\u00e4nglich an einen Erpresserbrief. Dann der Slogan: Kein Eintritt Keine Polizei\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Erpresserbrief war das Konzept, auch schon mit dem ersten Flyer. Der Plan war damit zu vermitteln, dass wir etwas haben was eigentlich dir geh\u00f6rt. Um es zur\u00fcckzubekommen musst du an den bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit kommen und die L\u00f6segeldsumme bezahlen. Der Eingangsslogan war darum auch: &#8222;Wir haben deine Party.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard: Und das: &#8222;Keine Polizei&#8220; stand auch schon auf dem ersten Flyer. Erstmal passte das zum Konzept des Erpresserbriefs, aber wichtiger war es uns klar zu machen, dass das was Illegales ist. Etwas besonderes. Ein Bruch mit der Aufsicht der Staatsgewalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Wir sind schnell auf den Trichter gekommen, dass das was wir da hatten die freie Party war. Der Anspruch R\u00e4ume f\u00fcr alle zu \u00f6ffnen; das geht nur ohne Eintritt. Denn das was eigentlich dir geh\u00f6rt und was wir dir anbieten f\u00fcr eine Zeit wiederzubekommen, das ist die freie Party.<br>Die Party die du sonst nicht findest, die nirgends beworben wird und auf der niemand wirbt.<br>Die Party bei der du nicht an der T\u00fcr abgewiesen wirst, es gibt n\u00e4mlich keine T\u00fcrkontrolle.<br>Deine 20 e in der Tasche reichen bis zum Morgen und werden nicht gleich durch den Eintritt halbiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der freie Zugang zur Party in nem Raum der irgendwie Allen geh\u00f6rt, das ist es, was eine illegale Party als Hauptstatement f\u00fcr uns vertritt. Joa und Polizei und so, ist ja klar. Daraus entwickelte sich dann, als Beschreibung was von unserer Veranstaltung zu erwarten ist der Slogan: &#8222;Kein Eintritt. Keine Polizei.&#8220;. Sp\u00e4ter haben wir das mal wohlklingend als:&#8220;Dualismus aus Wunsch und Wirklichkeit&#8220; bezeichnet. Ist klar welches sich da worauf bezieht\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: Material sparen &#8211; deswegen so klein &#8211; \u2026 der Spruch: &#8222;Wir haben deine Party&#8220; war geklaut und der Rest ist Unternehmensmotto; auf jeden Fall aus meiner Richtung\u2026 Wie ging das nochmal: Kein Austritt! Keine Bulln!\u2026 &#8211; auf Lebenszeit &#8211; \u2026 Schnullerbacken k\u00f6nns gleich vergessen :-) \u2026so oder so \u00e4nlich, wa?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geht es Euch um Feiern als Selbstzweck oder steckt mehr Intention dahinter? Kurz gefragt vielleicht: Warum Party?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Weil Party f\u00fcr uns funktioniert. Das Zusammentreffen von verschiedenen Leuten aus ganz verschiedenen Backgrounds funktioniert als Party. Darin unterscheidet sich vielleicht das was wir machen von anderen Parties.<\/p>\n\n\n\n<p>Party war f\u00fcr uns ebensowenig Ausdruck eines Gesch\u00e4ftsplans wie einer reinen Feierei &#8211; Party war f\u00fcr uns vielleicht eher eine Art Aktionsform, son Sammelbecken. Klar einige wollten nur ne Party machen und haben das auch so eng begriffen: als Party.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere aber haben dadurch eine Einmischung in \u00f6ffentliche R\u00e4ume und Diskurse gesehen. Praktische Stadtgestaltungspolitik durch den Hinweis auf leerstehende R\u00e4ume, die durch eine Party ge\u00f6ffnet, den Menschen vorgef\u00fchrt und damit zur\u00fcckgegeben werden sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und manche wollten den unvergesslichen Effekt haben und haben w\u00e4hrend der Party Feuerl\u00f6scher gezogen. Durch den Nebeleffekt sollte die Stimmung weiter angeheizt werden, doch Feuerl\u00f6scherschaum frisst Atemluft und das hat eine kleine Panik ausgel\u00f6st. Aber im Nachhinein ist es dann halt auch so ne Aktion die die Party unterscheidet und eben auch ausmacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: Also mit dem Konzept hatte ich nix zu tun. Nur mit der Malerei und dem Feuerl\u00f6scher\u2026. Das wurde durch Folge &#8211; aktionen so n bisschen zu unserem ding dong ;)<\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard: Ja, dass stimmt so. Party war ne Plattform die wir uns geschaffen haben, wo wir uns als Menschen treffen und malen \/ bauen \/ schreiben \/ musizieren \/ tanzen \/ reden \/ organisieren \/ \u2026 konnten und am Ende hatten wir dann nen bisschen Kapital in der Hand und es war dann irgendwie klar das wir alle das gleiche Recht darauf haben aber auch, dass das irgendwie der Sache geh\u00f6rt die wir da gerade veranstaltet haben\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: F\u00fcr mich gings haupts\u00e4chlich darum mich zu berauschen\u2026 Bezug zum Kapital, als das es jetzt uns allen geh\u00f6rt, hatte ich keineswegs &#8211; da Personen Geld vorgestreckt hatten und somit das Geld diesen welchen geh\u00f6rte\u2026ich war froh, dass die Fahrtkosten gedeckt waren\u2026<br>Zum Machen: Durch meine Malerei war ich es gewohnt mir \u00fcber eine gewisse Zeit Freiraum anzueignen\u2026 Dadurch hab ich einfach gemacht, andere Aspekte hab ich garnicht so wahr genommen\u2026 kratzt doch keine Sau\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Dann hast du da noch den Abenteuerdrang, in leerstehende Fabrikhallen zu gehen, im Kopf schon Zufahrtswege auszumachen, Ton &amp; Strompl\u00e4ne zu zeichnen. Da hat sich ein M\u00f6glichkeitsraum aufgetan, den ich zumindest vorher noch nicht kannte. Da sind Potentiale auf ganz vielen Ebenen aufgegangen. Da haben viele Leute Raum f\u00fcr sich gesehen, sich selbst und die Sache zu verwirklichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lassen sich Party und Politik miteinander verkn\u00fcpfen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Wir haben vor allem bei den ersten Parties gro\u00dfe Anstrengungen unternommen zu versuchen ne politische Aussage in die Party zu bringen. Haben versucht die Party in einen Kontext zu verflechten. Kontext aus Zeitgeschehen und z.B. Hintergrund der Immobilie in der die Party stattfindet. Das ist die eine Schiene, die versucht hat die Party mit politischem Inhalt zu f\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hat sich \u00fcber die Zeit ver\u00e4ndert, vor allem dahingehend, dass wir die Leute feiern lassen, denn daf\u00fcr sind sie hergekommen. Die zweite Schiene l\u00e4sst sich wohl mit dem strapazierten Schlagwort Freiraum beschreiben. Die Leute darauf hinzuweisen, dass es so ne Orte gibt &#8211; massenhaft &#8211; die vor sich hin rotten. Die entweder auf Abriss warten oder auf weitere Spekulation. Aber eigentlich sind die Orte frei, da ist niemand der die im praktischen Sinne nutzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das waren so die Ideen Politik und Party zu verkn\u00fcpfen. Wir hatten damit auch Pl\u00e4ne anzuregen, dass sich ein Gesp\u00fcr f\u00fcr sowas entwickelt und sich ne kleine Welle lostreten l\u00e4sst von Leuten, die sich ungenutzen Raum aneignen. Damit haben wir aber sp\u00e4ter fast vollst\u00e4ndig aufgeh\u00f6rt. Um es abzuk\u00fcrzen: mittlerweile versuchen wir da nicht mehr nen Spagat zwischen Party und Politik, sondern begreifen Party als Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>Pintea: Politisierung einer Party fand ich immer komisch. Hab da zuerst immer an Parteien und so n Schei\u00df gedacht :)<\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard: Viele Leute die da interessante Ans\u00e4tze hatten lie\u00dfen sich relativ schnell von Zwischennutzungskonzepten befrieden. Wir ham auch Anti Atom Raves veranstaltet und in der Bremer Obdachlosenzeitung und anderen Medien am Diskurs \u00fcber Parties und Freir\u00e4ume teilgenommen &#8211; aber nie mit unserer Identit\u00e4t als R\u00e4uber. Wir haben mal gesagt: die R\u00e4uber sind unbekannt. Und ne Zeit lang war das auch so.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: weils die Leute brauchen\u2026 kannst dich nicht mehr mit nem Pappschild aufn Kudamm stellen und \u00fcber Probleme diskutieren, da nimmt dich kein Mensch wahr\u2026 die Macht die wir haben auf diese Weise Leute ein St\u00fcck weit mit zu beeinflu\u00dfen ist uns lange nicht klar gewesen\u2026 aber ich denke viele Menschen sind auf der Suche nach: NICHT DER NULLACHT15KONSUMALLESTEUERKEININHALTPARTY\u2026 es geht auch darum die Leute weg vom Konsument \/ Reaktionist zum Aktivist zu bef\u00f6rdern (schei\u00dfegal: Graffiti malen oder trommeln oder was auch immer) \u2026 Ziele die ich mir selber setze.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn ihr Inhalte ins Feiern tragt, spielt die Wahl der Orte eine Rolle?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: Leerstand an sich ist eine Wahl des Ortes :)<\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Doch. Die Wahl des Ortes ist immer noch wichtig. Wobei da eigentlich immer auch schon technische und logistische Aspekte ausschlaggebend waren. Also: wie ist es angebunden, wie sind die Zugangsm\u00f6glichkeiten, was ist mit Anwohnern, wie ist die Bausubstanz usw. Aber den Anspruch die G\u00e4ste der Party mit nem politischen Inhalt zu konfrontieren, das hat sich gewandelt. K\u00fcmmert ja eh kaum jemand, selbst bei uns in der eigenen Gruppe (lacht). Das Spannungsfeld Party und Politik hat sich nicht aufgel\u00f6st. Es gibt viel was sich daf\u00fcr argumentieren lie\u00dfe und gleichzeitig viel mehr was dagegen spricht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was spricht dagegen, illegalisierte Parties als politische Aktion zu betrachten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard: Alles ist politisch\u2026au\u00dfer Kunst. Es sei denn sie will.<\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Ist nat\u00fcrlich die Frage. Was ist ein Wort, was ist eine Bedeutung, was ist Politik f\u00fcr mich, was ist Politik an sich? Was f\u00fcr mich haupts\u00e4chlich dagegen spricht kann vielleicht mit dem Stichwort &#8222;Eskapismus&#8220; zusammengefasst werden.<\/p>\n\n\n\n<p>So ne Party findet h\u00e4ufig am Wochenende statt, da kommen die B\u00fcrgers, zur Entspannung, zur Ablenkung oder zum Ausgleich f\u00fcr die 5 &#8211; Cheftage und hauen sich so richtig die Birne voll. Das ist dann der Ausbruch in die Freiheit des kollektiven Rausches, vielleicht gibts nochn bisschen Sex aber Montag fr\u00fch gibts sicherlich wieder Stempeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Droge die am meisten konsumiert wird ist Alkohol. Alkoholverkauf ist legal und damit l\u00e4sst sich ne Menge Geld verdienen. Das ist dann Anreiz f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsmodell Party &#8211; die Dienstleistung die dicht macht. Mache ich das aus anderen Gr\u00fcnden, dann bleibt am Schluss Geld \u00fcbrig das dann in Dinge investiert werden kann die eben keinem Profit dienen sollen. Etwa: Veranstaltungen die keine konsumierbaren Produkterlebnisse werden sollen. Da seh ich dann \u00fcber die Refinanzierung etwas politisches.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber f\u00fcr mich selbst hatte und habe ich Schwierigkeiten Party als politisch zu denken. Wie kann ein Ort, d\u00fcster oder bunt beleuchtet, an dem vielleicht zwischen 100, 800, oder 1000 Leute zusammen kommen, sich betrinken oder sich mit Sonstwas m\u00f6glichst weit versuchen wegzuknallen, ein Ort des Aufbruchs oder der Ver\u00e4nderung sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: Kommentar zum Kommentar: aber immerhin kommen sie zu uns und gehen nicht in die Planke oder ins Matrix , ganz dolle schei\u00df Clubs in Bremen \/ Berlin. Was mich eher interessiert ist die Motivation genau dieser Leute. Nicht die Frage ob es politisch ist oder nicht\u2026 Sondern die jeweilige Motivation: ist es das Neue, Unbekannte oder der Hauch von Illegalit\u00e4t? &#8211; Sei es so, dann ist es politisch: Eine kleine Rebellion in einem Staat der durch Angst regiert wird.<br>\u2028<br><strong>Neue R\u00e4ume zu \u00f6ffnen, um Menschen zusammenzubringen, ist an sich also schon politische Aktion und ein Statement\u2026?!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Ja, das kann so sein. Aber eher war es auch der Gedanke Orte zu \u00f6ffnen zusammen mit Bedienungsanleitungen. Der Versuch Leuten aufzuzeigen wie einfach es ist. Wenn man es machen will, dann geht es. Aber es war eben was anderes beobachtbar &#8211; es ist bei Parties geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns ist so ne Party politisch, weil wir uns einen Raum nehmen, der lange ungenutzt leer steht und wir ihn damit zumindest einer Teil\u00f6ffentlichkeit wieder zug\u00e4nglich machen. Aber Nachahmung oder Miteiferei, das hat sich nicht eingestellt. Es gab keine Welle von anderen R\u00e4umen die ge\u00f6ffnet wurden. Das ist halt nicht passiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinterl\u00e4sst eine Party eine Nachricht? In den K\u00f6pfen von Einzelnen sicherlich. Aber sicherlich auch in denen die nachher in die R\u00e4ume kommen, denn die sind dann dreckig. Ne Party hat stattgefunden. Aber wahrscheinlich spielt es sowieso keine Rolle: der Raum steht leer und wird irgendwann abgerissen oder nicht. Who gives a fuck? Nat\u00fcrlich ist nie alles Eins und es gibt Einzelne die sich durch so ne Party ger\u00fcttelt gef\u00fchlt haben und was mitgenommen haben in ihren Alltag, Fragen stellen, Bock kriegen; was machen und aktiv werden.<br>Aber f\u00fcr die gro\u00dfe Masse glaube ich bleibt eine R\u00e4uber Party eben (nur) eine besonders geile Party.<\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard: Das habe ich nen bisschen anders erlebt. Der Raum der leer stand wurde bespielt und a lot of people give a fuck. In dieser Nacht da wurde ein Bild von einer anderen Welt gezeichnet. Von einer Welt in der wir nicht nach nem Schl\u00fcssel gefragt haben &#8211; sondern einfach eingebrochen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Gema? Schanklizenz? Ham wa nicht, wolln wa nicht! Kein Eintritt, Keine Polizei\u2026 Und das Bier ist erschwinglich\u2026 Danach wird das Schloss ersetzt, es wird abgeschlossen und der Raum wird uns wieder vorenthalten\u2026 warum? Um zu rotten! Jede_r der \/ die dar\u00fcber nachdenkt gives a fuck und ich behaupte, das tun ne ganze Menge Leute\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Seltsamerweise sind wir dann mit der Zeit auf den Trichter gekommen bei illegalen Sachen die Aktion an sich als politisch zu sehen und auf eine weitere Vermittlung zu verzichten. Bei legalen Aktionen aber, ob Parties oder Demos, haben wir mit eingesprochenen Texten, Transpis, Visuals und Reden unordentlich agiert\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel zu Bernhard: Mehr davon auf Schei\u00dfegalen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Habt ihr da versucht Gegenstrategien zur Passivit\u00e4t der Mitfeiernden zu entwerfen? Oder Strategien, wie es m\u00f6glich ist Eure Inhalte besser zu kommunizieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Ja, zum Einen durch die wiederholte \u00d6ffnung der Orte. Also das man versucht, dass Leute einen Ort aufsuchen und dort dann irgendwas machen. Hierdurch sind wir mit dem Schlagwort Zwischennutzung in Berr\u00fchrung gekommen. Viele Leute messen dem ja auch ein politisches Element bei. Wir haben uns aber von sowas recht schnell wieder distanziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bedient ja nur eine Nische des Systems und macht den leerstehenden Ort und die eigene Energie verwertbar. Denn wenn du dich drauf einl\u00e4sst mit Erlaubnis des Besitzers (sind ja selten Frauen) dieses Gel\u00e4nde \/ Geb\u00e4ude zu bespielen, dann r\u00fcckst du das wieder in den Diskurs und erh\u00f6hst damit den Grundst\u00fcckswert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn du dann danach am vereinbarten Zeitpunkt den Schl\u00fcssel wieder abgibst und alles besenrein zur\u00fcckl\u00e4sst, dann hast du super an der Verwertungsmaschine mitgearbeitet, nur ohne wirklichen Verdienst. Anders herum wurdest du da verwertet &#8211; vielleicht merkst du es erst im Nachhinein. Zwar mit anderen Inhalten eventuell als der Mainstream aber, aus meiner Sicht, das ist reine Verwertungs Verwurstung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel (st\u00e4nkert): h\u00f6rt h\u00f6rt &#8211; B\u00fcro an der Spree und dann noch mit Miete-\u2026 zur Frage: Das Problem ist: f\u00fcr viel Propaganda braucht Mensch viel Material und Technikmaschinen welche teuer sind und ungern zur\u00fcck gelassen werden \u2026.deswegen eignen sich legale Veranstaltungen f\u00fcr so etwas besser.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit der &#8222;Odyssee durchs Geld&#8220; &#8211; Party habt ihr ziemlich offensiv versucht, Kritik am kapitalistischen Wirtschaften zu thematisieren\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Bevor ich da direkt drauf antworte will ich nochmal kurz ausholen, das Trapez gespannt aus den Punkten Kommunikation, Aufmerksamkeit, Spa\u00df, Inhalt, Effekt, das ist mit die spannendste Sache an so einer Party.<\/p>\n\n\n\n<p>Du verteilst Flyer und nach einer gewissen Vorlaufzeit hast du da eine Ansammlung Menschen die dahin kommen. Die kommen weil sie sich vergn\u00fcgen wollen, gleichzeitig aber auch nach Input suchen. Inspirationen und Anreiz und da ist ne Party.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns hat das recht fr\u00fch mit der alten Schnapsfabrik in Bremen angefangen. Da haben wir begonnen die Gestaltung der W\u00e4nde mit ein-zu-beziehen. Wir haben verschiedene K\u00fcnstler eingeladen die, genau wie der Rest der Beteiligten, ohne Entgelt ihre Sicht auf die Welt mit Hilfe von Farben oder Spr\u00fchdosen sichtbar gemacht haben. Das haben wir dann punktuell beleuchtet und mit Sicherheit wurde das wahrgenommen; aber in so ner dunklen Fabrikhalle da musst du, wenn du Inhalte transportieren willst, \u00fcber die Akustik kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist eine komische Erfahrung, Flyer &amp; Hinweiszettel zu verteilen und festzustellen, dass die Menschen denen du, was f\u00fcr dich der Mittelpunkt der Welt ist, das mitgeben m\u00f6chtest und die gar nicht daran interessiert sind, weil die sich gerade vordergr\u00fcndig f\u00fcr ihren Film &#8211; &#8222;die Party&#8220; &#8211; interessieren. Daraufhin haben wir uns dann entschieden, alle Kan\u00e4le anzusprechen und zwar konsequent. Vielleicht so geballt, dass, du, selbst wenn du m\u00f6chtest, du dich nicht verwehren kannst.<\/p>\n\n\n\n<p>Ziel war es also, die die aus ihrem f\u00fcnft\u00e4gigen Korsett herauswollen und sich jetzt m\u00f6glichst schnell m\u00f6glichst tief in die Basswelle st\u00fcrzen wollen, auf Ihrem Sinkflug mit Inhalt zu begleiten &#8211; vielleicht bleibt ja was h\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard: Menschen, die eigentlich an sowas vorbei laufen, zu konfrontieren mit Bildern von politischen K\u00e4mpfen und Botschaften die k\u00e4mpferisch sind. Das macht f\u00fcr mich dann auch das politische an einer Techno Party aus. Ich finde es wichtig eine gewisse Infrastruktur an heimlicher Freude oder auch nur Toleranz gegen\u00fcber militanter Politik auszuweiten. Den Leuten zu zeigen, dass das auch was Allt\u00e4gliches sein kann ohne das Besondere zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich ist klar, dass es so eine soziale Infrastruktur braucht um \u00fcberhaupt die M\u00f6glichkeit einer Bewegung die hier etwas umw\u00e4lzen kann zu schaffen. Bewegungen die tats\u00e4chlich etwas bewegt haben waren immer die, in denen Sitzblockierer_innen und Steinewerfer_innen vielleicht nicht nebeneinander &#8211; aber immer gemeinsam gek\u00e4mpft haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel:\u2026.Deswegen eignen sich legale Veranstaltungen besser \u2026Das kann und wird noch besser \/ mehr ;-) Aber es ist auch wieder die Blockade in den K\u00f6pfen so etwas m\u00f6glich zu machen (ich hasse DJs-es mag Ausnahmen geben &#8211; aber oft: arrogantes Pack)\u2026 Techno ist Mainstream\u2026aber wenn sich Menschen entscheiden ihm die Fluffigkeit zu nehmen bleibt er Mainstream, jedoch mit einem faden Beigeschmack. Denken hilft! Fuck Ego Hedos! yu\u2026. schweine sch\u00fcsse in die beine\u2026 Das Kapital kriegt uns Alle!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Rolle spielte dabei die Dekoration?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Das Konzept hatte das System Geld, Geld System zum Mittelpunkt. Die Wirtschaftskrise war auf dem Zenit und ist es in gewissem Sinne noch immer. Wir wollten Party und Politik verkn\u00fcpfen. Dadurch wollten wir mit den G\u00e4sten und unseren Freunden die an diesem Abend auf diese Party gekommen sind in eine Form Dialog treten. Einen angestrebten Dialog \u00fcber das zentrale Strukturelement unserer Gesellschaft. Kommunikation \u00fcber Geld, ist dann Kommunikation \u00fcber Kommunikation &#8211; denn Geld ist und kann dadurch Kommunikation auch ersetzen. Es wurden Transparente gemalt und aufgehangen, wie Bilder in einer Ausstellung. Danach sollten die Banner zu einer Demonstration des Occupy Umfeldes gehen.<br><br>Bernhard: Das war nicht Occupy, das war Blockupy. Das nimmt blo\u00df den Namen auf, kommt aber aus der organisierten kapitalismuskritischen und antikapitalistischen Linken.<\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Das jedenfalls war die Idee. Und da es um Geld ging, bekamen die G\u00e4ste selbstgedrucktes Geld ausgeh\u00e4ndigt. Mit diesem konnten sie dann z.B. Schn\u00e4pse bezahlen. Wir haben versucht darauf aufmerksam zu machen, dass Geld eine reine Idee ist. Diese Idee beruht auf Vertrauen. Sobald ich dieser Idee nicht mehr glaube, oder ihr nicht mehr vertraue, ist sie hinf\u00e4llig. Und W\u00e4hrungskrise haben wir ja jetzt auch schon so, mit Vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: Ich sehe diese Party als ein Experiment\u2026 Eine Art Motto &#8211; Party &#8211; Revival\u2026 Das Konzept von Party mit Streetart welches wir unbewusst mit entwickelt hatten ist im Arsch. Ausgelutscht und kommerzialisiert\u2026Die Odyssee war f\u00fcr mich was Neues. Ein interessantes Motto im grossen Stil.<br>Hoffe wir schaffen mehr davon\u2026 Bevor wir die \u00c4ltesten auf den Partys sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Die Visuals bestanden aus abgefilmten, zusammengeschnittenen Schnippseln aus dem Fernsehen und dem Wirtschaftsleben. Bilder einer Fahrt durchs Bankenviertel. Hoch und runterspringende B\u00f6rsenkurse, Wirtschaftsfernsehen mit den Livetickern der Aktienkurse.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Als sich die Location schon wahnsinnig gef\u00fcllt hatte, ging pl\u00f6tzlich die Musik aus. War das so beabsichtigt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem H\u00f6hepunkt der Party wurde auf allen Floors die Musik unterbrochen und die Schlussrede aus Charlie Chaplins &#8222;Der Grosse Diktator&#8220; &#8222;Der Appell an die Freiheit der Welt&#8220; wurde abgespielt. Ein so harter Schnitt ist wahrscheinlich die effektivste Methode die G\u00e4ste mit Botschaft zu erreichen. Das ist dann auf eine Art auch ein Zwangsmittel.<\/p>\n\n\n\n<p>Das erfordert was, was auf einer Party eigentlich gar nicht geht: die Musik ausmachen. Ohne Musik keine Party. Doch wenn alles zu gef\u00e4llig ist, sind die G\u00e4ste schnell versucht in gewohnte Bequemlichkeit zu verfallen und die n\u00e4chste Flasche auszutrinken.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: Ja das war mal interessant. Zum Thema Experiment\u2026 technisch wars nicht so leicht umzusetzen da es ja 3 Floors gab und keine M\u00f6glichkeit zur Vernetzung der 3 Systeme\u2026. na wie auch immer &#8211; es lief dann \u00fcber mp3 Player zu ner abgemachten Uhrzeit\u2026 Aus meiner Sicht hats ganz gut geklappt; jeweils einer von uns bei den DJs\u20261 2 3 und Musik aus &#8211; Rede an &#8211; Das Publikum buhte und pfiff aber der DJ(n aufstrebendes Talent aus Berlin) zog die ganzen 5 min. durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachher h\u00f6rte ich, dass die Synchronschaltung nur auf einem Floor nicht geklappt hatte auf welchem einer von uns auflegte\u2026Das hat mich schon traurig gemacht &#8211; n bisschen wie n Messer im R\u00fccken (heul :-)&nbsp; ) Naja letztendlich ist glaub ich nicht viel h\u00e4ngen geblieben\u2026 So ne kurze Pause sorgt noch mal f\u00fcr n richtigen Party Brand (auf schei\u00dfegalen merkt mensch das immer besonders wenn mal der Strom ausf\u00e4llt oder so). Party Toll &#8211; Musik Aus &#8211; Menschen traurig &#8211; Musik An &#8211; Party noch viel toller :).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie steht ihr denn allgemein zu legalen Parties? Habt ihr da einen Standpunkt f\u00fcr euch entwickelt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Zu legalen, also angemeldeten Parties stehen wir zwiesp\u00e4ltig. Eben auch wegen dem angesprochenen Spannungsfeld zwischen Party und Politik. Da wird solch eine Veranstaltung dann schnell zu beliebiger Wochenendunterhaltung. Die Odyssee war da sicher eine Ausnahme. Zum Einen wegen des so sicher einzigartigen Projekts auf einem ehemaligen Hochseefischer Schiffs. Zum Anderen unterst\u00fctzte uns die Schiffs-Crew mit Infrastruktur, lie\u00df uns aber gleichzeitig in der Umsetzung v\u00f6llig freie Hand. Sonst sind legale Parties nicht ganz so frei in der Umsetzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Pintea: Ich w\u00fcrde gerne mal wieder ne legale schmeissen. Aber verglichen mit illegalen finde ich die immer problematischer. Wei\u00dft du, wegen dem ganzen pipapo mit Location zahlen, den Tresen \u00fcbernimmt immer der Betreiber, die DJs wollen Kohle, der Raum darf nicht grundlegend ver\u00e4ndert werden und die Grund Beleuchtung ist immer kacke\u2026<br>Zum Schluss hat man ne Menge Zeit investiert, geht dann aber mit leeren H\u00e4nden nach Hause..<br>Das Ganze kannst du einfach nicht auf nonkommerz aufziehen und da kommt dann wieder der Zwiespalt der Gruppe ins Spiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard: Ja, das sollten sich Menschen die mit sowas anfangen wollen vielleicht auch vom praktischen Standpunkt her \u00fcberlegen\u2026 Vielleicht ist &#8222;illegal&#8220; ja auch einfach prinzipiell einfacher\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: Oder halt ne eigene Lokation\u2026 Dann biste n\u00e4mlich Chef!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und wie geht es jetzt mit den R\u00e4ubern weiter?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard: 2012 haben wir Party und Kultur im Wechselspiel von Entertainment und Politik sehr erfolgreich auf der Cuvry-Brache in Kreuzberg ausprobiert. Da gab es das Re\u00e4uberl\u00e4b und eine R\u00e4umung konnte verhindert werden. Davon will ich mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Im R\u00fcckschlu\u00df auf politische Organisation im Allgemeinen finde ich es sehr spannend das wir uns \u00fcber emotionale Beziehungen und nicht \u00fcber unser Verst\u00e4ndnis von Politik organisiert haben. Das wir also sehr heterogen sind und so in der Vergangenheit und hoffentlich auch in der Zukunft auf vielen Ebenen in vielen Freundeskreisen und Szenen mit unseren Vorstellungen wirken k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass es Freundschaft ist, die uns zusammenh\u00e4lt und nicht unsere Meinung dar\u00fcber wie die Gesellschaft ver\u00e4ndert werden kann (obwohl wir uns einig sind, dass sie ver\u00e4ndert werden mu\u00df\u2026ist das so?!?) deshalb k\u00f6nnen wir miteinander unsere Utopien von Kommunikation ausprobieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: 2014 besitzen! besetzen! traumbaum oder wirklichwurzel<\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Die genaue Zielsetzung ist offen. Ein grosses Spannungsfeld ist das Geld. Alle stecken individuell in irgendwelchen System &#8211; Zw\u00e4ngen und m\u00fcssen dadurch Geld erwirtschaften. Das ist alles nicht so leicht, aber wir wollen den Versuch wagen diese Erwirtschaftung kollektiv zu tragen. Dar\u00fcber wie so etwas zu schaffen ist, alles unter einen Hut zu bringen, dar\u00fcber denken wir noch viel nach. Fabrik &#8211; Partys sind auf jeden Fall die T\u00e4tigkeit die am meisten reizt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gruppe steht f\u00fcr Verkn\u00fcpfung von: Arbeit, Wohnen, Leben, Politik, Freundschaft\u2026KNUST. Party ist irgendwie die gemeinsame Klammer, um zu sehen was uns neben allem Unterschiedlichen auch eint und, um unsere Sicht auf die Welt Probe zu tanzen. Party hat uns zu gemeinsamer Lebens &#8211; T\u00e4tigkeit gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann hast du da am Schluss die Politik der Party; uns hat es zum Projekt Gruppe gebracht, das schon in sich politisch ist. Ein Dr\u00e4ngen nach Platz und Raum, um gemeinsam Utopien zu verwirklichen. In dem Gesellschaftssystem, in dem wir leben, wird Raum fast ausschlie\u00dflich anhand des Geldes verteilt. Und da wir kein Geld haben, oder nur wenig davon, m\u00fcssen wir uns den Raumplatz eben nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Daher der Name \u201eR\u00e4uber\u201c\u2026?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: Isn komischer Name eigentlich. Bisschen zu hart f\u00fcr uns &#8211; eher was f\u00fcr Rocker.\u2028<br>K\u00f6nnt Ihr einige Eurer Einfl\u00fcsse oder Vorbilder benennen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: Schon tote Menschen. Meistens M\u00e4nner, meistens K\u00fcnstler oder M\u00f6rder \/ Freiheitsk\u00e4mpfer \u2026(Identifikationskrise)\u2026Und auch noch lebende Menschen: die die ich liebe und anders rum<\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard: Inspiriert werde ich von den Menschen mit denen ich mich organisiere.<\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Viel Einfluss kommt sicher aus der Hausbesetzer Bewegung der 80er Jahre in Berlin. Viel Einfluss haben wir von Menschen bekommen, die wir durch das Veranstalten von und Aufeinandertreffen auf illegalen Parties kennengelernt haben. Einige die schon lange Jahre in solchen und \u00e4hnlichen Bereichen arbeiten, haben uns mit Wissen und Ressourcen sehr geholfen und damit auch beeinflusst. Aber das f\u00fcr uns drauflosmachen, das sehe ich immer noch als charakteristisch f\u00fcr die Gruppe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie steht ihr zu Graffiti?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard: Produziert die Notwendigkeit von Soli &#8211; Parties\u2026 aber Parties machen ja Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Jakob: Ich pers\u00f6nlich habe erst durch die Gruppe eine wirkliche Beziehung zu Graffiti bekommen. Viele, wenn nicht sogar ein Grossteil der Gruppe, kommen vom Graffiti. Wenn du jetzt fragst wie wir zu Graffiti stehen, dann denke ich gilt f\u00fcr uns das starke politische Element, das Graffiti aufweist. Als Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes. Als Eingriff in einen Raum, der \u00f6ffentlich ist und uns somit allen geh\u00f6rt und uns alle angeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Graffiti erlaubt, dass du deine Meinung an die Wand schreiben darfst wo du es sonst nicht d\u00fcrftest, weil da schon die Meinung der Deutschen Bank steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenzel: Mach ich lang manchmal mehr, manchmal weniger. Krasse Power Freiheit. Mach ich f\u00fcr immer\u2026 Hauptsache machen! In der Gruppe glaub ich passt dieser Spruch ganz gut:<br>&#8222;Graffiti? Find ich gut! Aber nicht an mein Haus.&#8220;<\/p>\n<\/details>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Kein Eintritt, Keine Polizei&#8220; &#8211; Die R\u00e4uber sind ein Kollektiv aus Bremen und Berlin, das seit 2009 Jahren ungenutzte R\u00e4ume in der Stadt tempor\u00e4r erobert. Mit ihren Aktionen wollen sie die Verbindung von Party, Politik und Kunst schaffen. 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